|
Sonntag, erster Advent

Advent
Wir
sagen euch an den lieben Advent.
Sehet, die erste Kerze brennt!
Wir sagen euch an eine heilige Zeit,
Machet dem Herrn den Weg bereit!
Freut euch ihr Christen.
Freuet euch sehr!
Schon ist nahe der Herr.
Wir
sagen euch an den lieben Advent.
Sehet, die zweite Kerze brennt!
So nehmet euch eins um das andere an,
Wie auch der Herr an uns getan.
Freut euch ihr Christen.
Freuet euch sehr!
Schon ist nahe der Herr.
Wir
sagen euch an den lieben Advent.
Sehet, die dritte Kerze brennt!
Nun tragt eure Güte hellen schein.
Weit in die dunkle Welt hinein.
Freut euch ihr Christen.
Freuet euch sehr!
Schon ist nahe der Herr.
Wir
sagen euch an den lieben Advent.
Sehet, die vierte Kerze brennt!
Gott selber wird kommen, zögert nicht.
Auf, auf ihr Herzen und werdet Licht.
Freut euch ihr Christen.
Freuet euch sehr!
Schon ist nah der Herr.
.................................................
Die Adventszeit beginnt
Die
Nächte werden länger und die Tage kürzer, es beginnt die Zeit des Lichtes der
Hoffnung und Erwartung.
Im schein der hellen Kerzen vertrieben sich schon unsere Vorfahren ihre Furcht vor den
Dämonen des Winters.
Kerzenlicht, das Symbol für Wärme, Geborgenheit und Frieden, war bereits im
Mittelalter so beliebt, das Wachs in bedeutenden Mengen von überall her
eingeführt werden musste.

Advent - das Wort kommt aus der lateinischen Sprache (adventiere) und bedeutet
dort
"Ankunft" und "Erwartung".
Es handelt sich also um eine Zeit der Vorbereitung auf die Geburt Christus.
Betrug diese Vorbereitungszeit anfänglich fünf oder sechs Wochen, so wurde im
Jahre 524 auf dem Konzil von Lerida eine vierwöchige Fastenszeit angeordnet.
Ebenso wie die Zeit vor Ostern sollte es eine Zeit der Besinnung und des
Nachdenkens sein.
So ist auch die traditionelle Kirchenfarbe für den Advent das Violett, die Farbe
der Buße und Trauer.
Der Fastgedanke findet sich auch heute noch in einem der gebräuchlichsten
Weihnachtsessen, dem Karpfen, wieder, da Fischgerichte für die Fastenszeit
bestimmend waren.
Der
Kranz galt ursprünglich als Sinnbild des Sonnenrades, das mit dem Endenden Monat
wieder seinen aufwärts gerichteten Lauf beginnt. Die vier Radspeichen sind jedoch
im Laufe der Zeit verschwunden.
Die ursprünglichen Farben für den Kranz sind auf heidnischen Brauch
zurückzuführen. Bereits bei den alten Germanen wurden Wintergrüne Pflanzen in den Häusern
aufgestellt, um sich so gegen böse Geister und Dämonen zu schützen. Dieser
Brauch wurde nach der Christianisierung beibehalten. In den kalten dunklen
Winternächten verkörpert nun das Grün die Hoffnung auf Kraft und Trost und das
Rot die Freude auf Christi Geburt. Darüber hinaus ist Grün auch die Farbe der
Treue zu Christus während das Rot zudem für die Farbe des Blutes steht, das er
am Kreuz für die Menschen vergossen hat. Diese beiden Farben sind deshalb
grundlegend für alle Adventsdekorationen.
Vor allem der Adventkranz mit seinen grünen Tannenzweigen und roten Kerzen gibt
unserer Hoffnung und Freude Ausdruck.

Den uns heute vertrauten Adventskranz gibt es erst seit der 2. Hälfte des 19.
Jahrhunderts.
Hoffnung und Freude war sicherlich auch das, was der Theologe Johann Hinrich
Wichern mit dem ersten Adventskranz unserer Zeit verbreiten wollte. Wichern, der
auf dem Wittenberger Kirchtag von 1848 die evangelische Kirche zur "Inneren
Mission" aufrief, gründete bereits 1833, in Hamburg "Das Rauhe Haus", ein
Erziehungsheim für sozial vernachlässigte und gefährdete Jugendliche. Und für
die Jungen und Mädchen dort wurde der Adventskranz bald zu einem lieben Brauch.
Es ist überliefert, das der Adventskranz, zuerst mit 24 Kerzen für die Adventstage, an einer Decke
aufgehängt wurde.
Von Ihm selbst stammt auch folgende Schilderung:
"Im Betsaal ist Frühling geworden, und von den grün geschmückten Wänden wittert
es uns entgegen, wie Weihnachtsahnung aus dem Tannenwald.
Aber was gucken die Knaben- und die Mädchenaugen so lustig zum Kronleuchter
empor? Oh, was sie da sehn, kennen sie wohl. Es ist nichts als ein einfacher
Kranz, den der Kronleuchter auf seinen Armen trägt, und auf den Kranze brennt
das erste Licht, weil heute der erste Adventstag ist;
Und kommt ihr morgen, dann brennen schon zwei, und übermorgen drei, und jeden
Tag eines mehr. Und je mehr Lichter brennen, desto näher rückt Weihnachten und
desto froher werden die Knaben und Mädchen;
Und brennt der volle Kranz mit allen 24 Lichtern, dann ist er da, der heilige
Christ in all seiner Herrlichkeit..."

Im "Rauhen Haus" brannten also die Lichter zuerst und es wurde an jedem
Adventstag eine Kerze angezündet, und wahrscheinlich führte J. Wichern die Sitte um
das Jahr 1860 herum so auch in dem Waisenhaus in Berlin-Tegel ein, dessen
Leitung er damals übernahm.
So war es denn auch hauptsächlich die Jugendbewegung der Jahrhundertwende, durch
die der Brauch rasch weiterverbreitet wurde. Erst später wurde der Kranz
dann mit vier Kerzen bestückt.
Heute sind Adventskränze nicht nur in den meisten Familien vorzufinden, sie
schmücken auch unsere Schulen, Verwaltungsgebäuden, Arbeitsstätten, Kirchen und
viele andere Einrichtungen.
Die Adventszeit wird durch die vier Sonntage gegliedert, an denen nacheinender
die Kerzen des Kranzes angezündet werden. Ebenso unabdingbar wie der
Adventskranz ist jedoch auch der
Adventskalender geworden, der die immer kürzer werdende Zeit bis Weihnachten
veranschaulicht.
Die
Adventszeit ist traditionell eine Zeit der Familie und hat als solche viele
Bräuche hervorgebracht.
Doch bei allen Bräuchen und sonstigen Aktivitäten sollte man nicht vergessen das
der Advent im eigentlichen Sinne eine Zeit der Besinnung und der Muße ist.

in
diesem Sinne wünschen wir Ihnen
eine
schöne und ruhige Adventszeit
|